Auf dieser Seite:
Holzfeuerzeuge Feuerstein und Feuerstahl Zunder und Feuerschwamm Brenngläser und Brennspiegel Radschlossfeuerzeuge Steinschlossfeuerzeuge Pneumatische Feuerzeuge Elektrische Zündmaschinen Galvanische Feuerzeuge Döbereinersche Feuerzeuge Luntenfeuerzeuge Amorceband-Feuerzeuge Platinfeuerzeuge Elektrische Feuerzeuge Benzinfeuerzeuge Gasfeuerzeuge
|
"Sie haben durch ihr hübsches Aussehn, kleines
Format, leichte Handhabung - meistens Sprungdeckel -
sich trotz des hohen Preises schnell eingeführt, zumal
die Reklame versichert, daß sie durch ihre große Zahl
von Zündungen sich billiger stellen als
Zündhölzer." Zeitschrift für die
Zündwaren-Fabrikation, 1910 |
"Den Taschenfeuerzeugfabrikanten eröffnete sich nun
ein sehr weites Tätigkeitsfeld, und eifrigst wurde an neuen
Konstruktionen gearbeitet. Man ließ sich alle möglichen
Formen schützen, so z.B. von der Form einer Patrone, eines
Kanonenrohres, einer Champagnerflasche, einer Zigarette, einer
Kerze, eines Petschafts, eines Bleistifts, eines
Spazierstockes, einer Grubensicherheitslampe usw."
Böhm,
1911 |
"Bei diesen Feuerzeugen gibt es viele Versager,
einmal, weil die Funken das Benzin nicht für sich zur
Entzündung bringen, sondern nur den mit Luft gemischten
Benzindampf, dessen Flamme seinerseits erst die Zündung des
Benzins bewirkt. Daher kommt es auch, daß man das Feuerzeug
nicht immer rasch hintereinander in Tätigkeit setzen kann.
Man muß ihm zur Dampfbildung Zeit lassen. Dann wird ferner
bei nicht allzu häufigem Gebrauch das Nachfüllen von Benzin
nicht immer pünktlich besorgen, welche Unterlassung das
Feuerzeug auch außer Gebrauch setzt."
Bujard, 1910 |
"Dabei war es am Anfang üblich, eine Schachtel
Streichhölzer als stille Reserve in der Tasche zu haben. Wer
leichtsinnig genug war, sich allein auf sein fortschrittliches
Instrument zu verlassen, wurde oft genug kalt gestellt. Aber
das legte sich, nachdem die einschlägige Industrie aus den
Kinderschuhen heraus war."
Deutsche Zündholz-Zeitung,
1923 |
"Die Beliebtheit des Feuerzeugs hält sich deswegen im
allgemeinen in reichlich engen Grenzen, weil bei vielen
Erzeugnissen die Zündung eine Glückssache ist und der
Benutzer nie vergessen darf, das erforderliche Benzin
rechtzeitig zu tanken. Die hauptsächliche Anwendung findet
das Feuerzeug bei Geburtstagen und am Weihnachtsabend. In
Ermangelung anderer Einfälle dient es dann als beliebter
Geschenkartikel für Raucher. In vielen Fällen ist freilich
mit dem Moment des Schenkens auch der Lebenszweck dieses
Gegenstandes bereits erfüllt."
Deutsche
Zündwaren-Zeitung, 1933 |
|
Benzinfeuerzeuge
Die modernen Taschenfeuerzeuge basieren auf der 1903 erfolgten Entdeckung des Cereisens,
das bis heute in Benzin- oder Gasfeuerzeugen zur Zündung
dient. Beim Cereisen - fälschlich oft Feuerstein genannt - handelt
es sich um eine Legierung aus 70% Eisen und 30% Cerium, einem
chemischen Element der so genannten Seltenen Erden. Diese
Legierung gibt beim Schlagen, Feilen oder Reiben mit einem
härteren Metall eine große Menge besonders heißer Funken
ab.
Das Cereisen wurde im Jahre 1903 durch den österreichischen Chemiker Carl Auer von
Welsbach entdeckt, der es in in den ihm gehörenden
Treibacher Chemischen Werken ab 1908 in großen Blöcken auf den
Markt brachte. Aus diesen Blöcken mussten sich die
Feuerzeughersteller die benötigten Größen herausschneiden.
Dies führte den so genannten Streichfeuerzeugen, an deren
Seite die herausgesägten eckigen Stücke Cereisen als eine Reibfläche
angebracht waren. Die Streichfeuerzeuge enthielten einen mit
benzingetränkter Watte gefüllten Behälter, in dem ein als Fackel- oder Reibstift bezeichneter
Metallstift mit einem Docht im Inneren steckte. Der Docht konnte aus der benzingetränkten Watte
Benzin nachsaugen. Man zog den Reibstift heraus, und strich
mit dessen Kante über den seitlich angebrachten Streifen
Zündmetall.
Streichfeuerzeuge gab es als Wandfeuerzeuge für den Haus-
oder Küchengebrauch, häufiger jedoch als kleine
Taschenfeuerzeuge. Letztere wurden in zahlreichen
verschiedenen - häufig kuriosen oder verspielten - Formen
hergestellt. Man trug sie an
der Uhrkette, oft in einem Gehäuse aus Silber oder Alpaka und
mit Emaillearbeiten verziert. Repräsentativ gestaltet und bei
besonderen Anlässen zum Abendanzug getragen, nannte man sie
auch "Frackzünder".
Erst im Jahre 1910 konnten die Treibacher Chemischen Werke
auch fertige Zündsteine in kleineren Abmessungen produzieren.
Üblich wurden runde Zündsteine von 2,6 mm Durchmesser und 5
mm Länge. Dies führte zur Ablösung der Streichfeuerzeuge
durch die bis heute gebräuchlichen Reibradfeuerzeuge, bei
denen der Zündstein durch eine Feder gegen ein geriffeltes
Stahlrad gedrückt wird. Dreht man an dem Rad, werden Späne
vom Zündstein abgerissen, die - durch die Reibungswärme bis
zur Entzündungstemperatur des Ceriums erhitzt - an der Luft
mit hoher Temperatur verbrennen.
Anfangs waren Luntenfeuerzeuge mit Reibradzündung recht
verbreitet, bei denen eine mit Kaliumnitrat oder Kaliumchlorat
imprägnierte Lunte durch die Funken in Brand gesetzt wurde.
Die Lunte glühte dann langsam ab, was zum Anzünden von
Zigaretten oder Zigarren genügte. Während die
Luntenfeuerzeuge nach dem Ende des Ersten Weltkriegs
verschwanden, setzten sich die Benzinfeuerzeuge mit Reibrad
auch gegenüber den anderen Feuerzeugvarianten durch, denn
"diese Feuerzeuge haben vor den Luntenfeuerzeugen den
Vorzug, daß sie statt Glut offenes Feuer geben und daß sie
eine leuchtende Flamme liefern."
Bald differenzierten sich verschiedene Feuerzeugtypen
heraus. Bei manuellen Feuerzeugen muss man zuerst den Deckel
hochklappen, dann das Zündrädchen betätigen und
anschließend die Klappe wieder schließen, um die Flamme zu
löschen. Bei halbautomatischen Feuerzeugen, die bereits 1910
auf den Markt kamen, öffnet sich die Klappe beim Betätigen
eines Drückers und nimmt dabei das Reibrad mit. Zum
Auslöschen muss allerdings der Deckel mit der Hand
geschlossen werden. Vollautomatische Feuerzeuge öffnen und
entzünden sich beim Betätigen eines Druckknopfs. Wird er
losgelassen, schließt der Deckel wieder.
Die Taschenfeuerzeuge erreichten binnen weniger Jahre eine
große Verbreitung. Bedauernd mußten die Zündholzhersteller
feststellen, "daß die Taschenfeuerzeuge in der kurzen
Zeit ihres Bestehens - besonders durch die Verwendung des
Cereisens - bereits zu ausgesprochenen Konsumartikeln geworden
sind und dem Konsume von Zündhölzern ganz bedenklichen
Abbruch bereiten".
Am meisten profitierten die Feuerzeuge von der Einführung
der Zündholzsteuer, die "mit ihrer enormen Verteuerung
der Preise für Zündhölzer der Herstellung von
Anzündeapparaten neuen Impuls gegeben" hatte. Denn es
war weniger die Tauglichkeit der Benzinfeuerzeuge, die
"ihre Verbreitung im Publikum so stark gefördert hat,
als vielmehr die Tatsache, daß man mit ihnen der verhaßten
Steuer ein Schnippchen schlagen konnte."
Die ersten Benzinfeuerzeuge waren in der Benutzung wenig
zuverlässig, denn spöttisch wurde von
"Jubiläumsfeuerzeugen" gesprochen, die bei jedem
25. Versuch zündeten oder von "Peuteterln", die nur
vielleicht brannten. Auch ließ die wirtschaftliche Not der
Nachkriegs- und Inflationsjahre bei vielen das Geld für
Repräsentationsobjekte wie Feuerzeuge knapp werden. So musste
noch Ende der zwanziger Jahre festgestellt werden, dass
"das mechanische Feuerzeug nur auf dem Gebiete des
Tabakgenusses in Gebrauch ist und auch hier nur in
beschränktem Maße."
|