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"Nimm in deine Hand den glänzenden und
durchsichtigen Kristall ... Willst du ein Feuer
wecken, ohne dass zur Anstrengung dich seine
Flamme zwingt, so heiße ich dich, ihn auf dürre
Kienspäne zu legen. Wenn dann die Sonne
dagegen scheint, wird er bald einen zarten
Strahl auf die Späne richten. Berührt
dieser die dürre und fette Materie, so
wird er erst einen Rauch, dann ein kleines
Flämmchen, aber dann ein großes Feuer erzeugen."
orphische Dichtung, um 400 v. Chr. |
"Wenn du kreisrundes Glasgeschirr,
gefüllt mit Wasser, in die Sonne hältst, wird
von dem Licht, welches vom Wasser her strahlt, selbst in
der größten Kälte Feuer angezündet."
Lactantius (250-317 n.Chr.)
"Ich entsinne mich noch oft in
meiner Kindheit diese 3 Zoll großen, mit plattirtem Draht,
welcher zugleich zum Henkel zusammengedreht war, umsponnenen
Gläser in Gebrauch gesehen zu haben. Recht bequem waren sie,
wenn nur die Sonne immer recht hell schiene, was allerdings
nothwenig dazu gehört."
Detlef von Biedermann, 1859
"Man bedient sich dazu
gewöhnlich eines kegelförmigen Trichters von Erz, dessen
Höhlung durch die Seiten eines gleichschenkeligen Dreiecks
gebildet wird, und die sich vom äußeren Umfang aus in einer
gemeinschaftlichen Spitze vereinigen. Wenn dieses Werkzeug gegen
die Sonne gestellt wird, so dass die von allen Seiten
zurückgeworfenen Strahlen sich im Mittelpunkte sammeln, ...
setzt er die davor liegenden trockenen und leichten Sachen
augenblicklich in Brand."
Plutarch (46-120 n.Chr.)
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Brenngläser
Brenngläser, genauer gesagt aus durchsichtigem
Bergkristall geschliffene Linsen oder Kugeln, die zur
Feuerentzündung verwendet wurden, gab es bereits im antiken
Griechenland. Wesentlich älter noch ist ein im Palast des
Assurnasirpal (883-859 v. Chr.) in Ninive ausgegrabenes,
plankonvex geschliffenes Bergkristallstück.
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Kegelförmige Brennlinse
Deutschland, um 1790
(Städtische Sammlungen Schweinfurt)
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Bei den Griechen war das durch geschliffene Kristalle
erzeugte Feuer einer besonderen, religiösen Nutzung
vorbehalten. In den "Wolken", einer im Jahre 423
v.Chr. entstandenen Komödie, beschreibt Aristophanes in einem
Dialog mit Sokrates, wie sich Strepsiades eine Schuldklage vom
Hals schafft, indem er ein Brennglas kauft, das zum
Feueranzünden dient, und damit heimlich die auf Wachstafeln
niedergeschriebene Klage herausschmilzt.
Nach der Erfindung wasserklaren Glases gegen 200 v.Chr.
ersetzte dieses Material den teuren und nur bis zu einer
gewissen Größe erhältlichen Bergkristall. In Rom wurden zum
Feueranzünden anstelle von Linsen offenbar vorwiegend mit
Wasser gefüllte Glaskugeln verwendet. Mit ihnen lässt sich
das Sonnenlicht wie mit geschliffenen Linsen bündeln.
Wassergefüllte Kugeln zur Feuererzeugung wurden auch bei
der Feuerweihe am Karsamstag verwendet, die erstmals in
fränkischen Kirchenordnungen des 8. Jahrhunderts auftaucht.
Solche Kugeln wurden bis ins 19. Jahrhunderts zur Bündelung
von Licht verwendet. Als sogenannte Schusterkugeln vor
Fenstern oder Öllampen aufgehängt, beleuchteten sie die
Arbeitsplätze von Schustern oder Schneidern bei Feinarbeiten.
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Zunderdose mit Brennlinse
Deutschland (?), spätes 19. Jahrhundert
(Kulturhistorisches Museum Meerseburg)
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In der Neuzeit ermöglichte die Massenfertigung von Glas
eine weitergehende Verbreitung der Brenngläser. Sie dienten
aber bestenfalls als Ergänzung anderer Feuererzeugungsgeräte.
So gibt es Linsen, die in den Griff von Feuerstählen oder
aber in die Deckel von Tabaksdosen eingearbeitet sind. Die mit
Pfeifenstopfern oder Zigarrenhalter kombinierten Brenngläser
waren offenbar eher eine dekorative Spielerei für
Raucher.
Letztlich waren es reine Schönwetterfeuerzeuge, die gerade
dann ihren Dienst versagen mussten, wenn sie am nötigsten
gebraucht wurden: im Dunkeln, an trüben und kalten
Wintertagen oder frühmorgens, wenn es das Frühstück zu
bereiten galt.
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Mittagskanone im Jardin des Plantes
Mitte 19. Jahrhundert
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Eine unter zahlreichen Spielereien mit Brennlinsen war die
in den 1820er Jahren von der Pariser Firma Lafontaine in
verschiedenen Ausführungen hergestellte Mittagskanone. Bei
ihnen handelte es sich um eine kleine Kanone, die auf einer
Sonnenuhr montiert war. Über dem Zündloch befand sich eine
Brennlinse, die das Geschütz zur Mittagszeit abfeuerte, wenn
die Sonnenstrahlen durch die Linse hindurch auf das Pulver
trafen. Bereits in einer Handschrift des Samuel Zimmermann aus
dem Jahre 1573 wurde eine solche Mittagskanone beschrieben als
"ein Büchsengeschoss, das durch der Sonne Schein und
Widerschein auf eine gewisse Stunde ab und los ginge. Alle
wege umb den Mittag auf 12 Uhr."
Brennspiegel
Wie die Brenngläser waren auch Hohlspiegel, die das
reflektierte Sonnenlicht in einem Brennpunkt bündeln, bereits
in der Antike bekannt. Schon Euklid (365-300 v.Chr.)
schilderte, wie durch gegen die Sonne gestellte, hohle Spiegel
Feuer entzündet wird. Die vielzitierte Geschichte, nach der
Archimedes bei der Belagerung der Hafenstadt Syrakus im Jahre
214 v.Chr. mit Brennspiegeln die Segel der römischen Flotte
in Brand gesetzt habe, ist eine Legende.
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Spanisches Emblem, 1649
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In der Antike wurden häufig aus planen Dreiecken
zusammengesetzte Hohlspiegel verwendet. Sie konzentrierten das
Licht nicht in einem einzigen Brennpunkt, sondern in einer
Brennlinie in der Mittelachse. Ihre Wirkung war daher geringer
als die gekrümmter Parabolspiegel, waren aber einfacher
herzustellen. In Rom wurden solche Brennspiegel verwendet, um
das erloschene vestalische Feuer wieder zu entzünden.
Die Auseinandersetzung mit den antiken Quellen seit der 2.
Hälfte des 15. Jahrhunderts führte auch zu einer
verstärkten Nutzung von Brennspiegeln. Die Hinwendung zu
Brennspiegeln war begründet durch die technologischen
Schwierigkeiten beim Guss und Schliff genügend großer, für
die Erzeugung hoher Temperaturen geeigneter Brennlinsen. Vor
allem im 18. Jahrhundert wurden Brennspiegel in Kombination
mit großen Brennlinsen zur Erzeugung hoher Temperaturen bei
chemischen oder metallurgischen Experimenten eingesetzt.
Vorteil von Brennspiegeln und Brenngläsern war, dass
mit ihnen höhere Temperaturen als mit Holz- oder Kohlefeuern
erzielbar waren und dass das Verhalten der Stoffe unter dem
Einfluss hoher Temperaturen gut beobachtet werden konnte. Die
Weiterentwicklung der Brennspiegel ist eng mit dem
sächsischen Forscher Ehrenfried Walter von Tschirnhaus
(1651-1708) verbunden, der auf diese Weise zusammen mit Johann
Friedrich Böttger wesentliche Vorarbeiten zur Erfindung des
europäischen Porzellans leistete.
Der Einsatz von Brennspiegeln zum bloßen Feueranzünden
war jedoch unkomfortabler als der von Linsen, da das zu
entzündende Gut in den Brennpunkt zwischen den Spiegel und
die Sonne gebracht werden musste. Daher erreichten
Brennspiegel eine noch geringere Verbreitung als Linsen
Jedoch tauchten im 20. Jahrhundert immer wieder
zusammenklappbare Parabolspiegel mit einer Halterung für eine
Zigarette im Brennpunkt auf. Sie waren - worauf schon die
Kordeln zum Umhängen deuten - wohl mehr für den Strandurlaub
in südlicher Sonne gedacht.
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