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"Die feuererregende Thätigkeit des mit
Knallgas in Berührung gesetzten Platins brachte mich
auf den Gedanken, dieselbe zur Darstellung einer neuen
Art von Feuerzeugen, Nachtlampen u.s.w. zu
benutzen. Ich fand endlich, daß das gewünschte Phänomen in
höchstem Glanze hervortritt, wenn man Wasserstoffgas
aus einem Gasreservoir (oder sogenannten elektrischen
Feuerzeuge) durch ein nach unten gebogenes Haarröhrchen
von Glas auf den schwammigen Platinstaub, welcher in
einem Uhrglase oder in einem nahe am spitzen Ende
zugeschmolzenen Glastrichterchen enthalten ist,
ausströmen läßt. Der Platinstaub wird dann fast
augenblicklich erst roth- und dann weißglühend. Ist
der Gasstrom stark, so entflammt das Wasserstoffgas. Es
kann also jede elektrische Lampe in ein
Platin-Feuerzeug verwandelt werden."
Johann
Wolfgang Döbereiner, 1823 |
"Es eine höchst angenehme
Empfindung sei, wenn wir eine bedeutende Naturkraft technisch
also bald zu irgend einem nützlichen Gebrauch eingeleitet
sehen; und so bin ich in dem Falle, mich Ew. Wohlgeboren immer
dankbar zu erinnern, da Ihr so glücklich erfundenes Feuerzeug
mir täglich zur Hand steht und mir der entdeckte wichtige
Versuch von so tatkräftiger Verbindung zweier Elemente, des
schwersten und des leichtesten, immerfort auf eine wundersame
Weise nützlich wird."
Johann Wolfgang von Goethe, 1826
"Meine Platinfeuerzeuge werden immer
beliebter. Gegen 20.000 derselben sind bereits, teils in
Deutschland teils in England in Gebrauch. Wie wohlhabend wäre
ich jetzt, wenn ich mit meiner Entdeckung nach England gegangen
wäre, und mir dort auf die technische Beschreibung derselben
hätte ein Patent geben lassen. Aber ich liebe die Wissenschaft
mehr als das Geld, und das Bewußtsein, daß ich damit vielen
mechanischen Künstlern nützlich gewesen, macht mich
glücklich."
Johann Wolfgang Döbereiner, 1828
"Die Döbereinersche Modifikation boten
der Industrie ein weites Feld dar in der Anwendung edler
Hölzer, glänzender Messing- oder Argentan-Montierungen,
geschliffener Glasgefäße u.s.w. Wir erinnern uns an die blauen
oder geblümten oder geschliffenen Gläser und die mannigfachen
Porcellangefäße, welche in ihrem Inneren den Apparat und an
der oberen Oeffnung nur die Feder enthielten."
Wilhelm Friedrich Karl Stricker,
1874
"Ihrer äußeren Hülle nach waren sie
von Blech, Glas oder Porzellan, mit Messing- oder Argentanmontur,
zuweilen von sehr geschmackvoller Form, glatt oder gemalt, und
eine nette Zierde auf den Tischen. Ihre Konstruktion aber,
obwohl immer dasselbe Prinzip beibehaltend, war sehr
mannigfaltig, je nach der Billigkeit, die beansprucht
wurde."
Detlef von Biedermann, 1859
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Döbereinersche Feuerzeuge
Die Erfindung des Platinfeuerzeuges geht auf den Chemiker
Johann Wolfgang Döbereiner zurück, der im Jahre 1823 die
katalytische Wirkung des Platins entdeckte. Platin ist in der
Lage, bei Raumtemperatur Wasserstoff zu entzünden und
Döbereiner konstruierte auf Grundlage seiner Entdeckung als
praktischen Verwendungszweck ein Feuerzeug. Sein Feuerzeug,
dass unterschied sich nur durch den Zündmechanismus, nicht
aber durch den Glasbehälter zur Entwicklung des
Wasserstoffgases von den elektrischen Zündmaschinen.

Döbereiner-Feuerzeug
Deutschland, um 1830
(Vogtlandmuseum Plauen)
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Döbereiner publizierte sein Feuerzeug bereits 1823 und
ermöglichte es so anderen, mit auf seiner Konstruktion
basierenden Feuerzeugen an die Öffentlichkeit zu treten. Der
in finanziell schwierigen Verhältnissen lebende
Döbereiner erteilte allen Fabrikanten bereitwillig Auskunft
und schlug das Angebot des englischen Fabrikanten Robinson
aus, ihm alle Rechte an seinem Feuerzeug für 80.000 Taler zu
übertragen.
Johann Wolfgang von Goethes, als Oberaufseher "über
die unmittelbaren Anstalten für Wissenschaft und Kunst"
Döbereiners Vorgesetzter als Professor in Jena, sah darin
eine leichtfertige Verkennung von Patentfragen, hatte er doch
angeordnet, "jeden neuen Fund zu secretieren". Denn
andere waren weniger uneigennützig als Döbereiner. Schon
Anfang 1824 sicherte sich Johann Scobel in Graz ein erstes Privileg
zur Herstellung veränderter Döbereiner-Feuerzeuge und noch Jahre nach der Erfindung wurden mehrjährige
Patente auf nur marginal abgeänderte Zündmaschinen erteilt.
Binnen kurzem wurden in ganz Europa Zehntausende von
Platinfeuerzeugen hergestellt wie die des königlichen Hofmechanikus
Petitpierre in Berlin, der sie 1829 "als angenehmes
und nützliches Weihnachtsgeschenk Zündmaschinen, mit Platin
eingerichtet, elegant, sauber und dauerhaft gearbeitet, mit
chinesischer und anderer Malerei, unempfindlich gegen
Feuchtigkeit und Kälte" anbot.
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Döbereiner-Feuerzeug
Deutschland, um 1830
(Deutsches Tabakmuseum Bünde)
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Döbereiner-Feuerzeuge bestanden aus einem Glasbecher, in
dem ein unten offener, flaschenförmiger Trichter gehängt
war. Der Trichter war mit einem Messingdeckel verbunden,
der den Glasbecher verschloss. In dem Trichter hing ein Stück
Zink. Zum Betrieb wird in den Glasbecher verdünnte
Schwefelsäure eingefüllt. Beim Kontakt mit dem Zink
entwickelt sich Wasserstoff, der sich im Inneren des
eingehängten Trichters sammelt. Durch den entstehenden
Überdruck wird der Schwefelsäurepegel unter das Zinkstück
gedrückt. Die Gasentwicklung kommt dann zum Stillstand.
In der Deckelmitte befand sich der Gashahn, ihm gegenüber
war eine Kapsel mit dem so genannten Platinschwamm, eine mit
Platinsalz-Lösung getränkte Tonkugel angebracht. Wird das
Ventil geöffnet, strömt der Wasserstoff durch die Düse auf
den Platinschwamm, bringt diesen zum Glühen und entzündet
sich. Gleichzeitig steigt der Schwefelsäurespiegel im Inneren
des Trichters wieder an und die Wasserstofferzeugung beginnt
erneut.
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Döbereiner-Feuerzeug
Deutschland, um 1830
(Mindener Museum)
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Häufig sind Döbereiner-Feuerzeuge aus durchsichtigem
Glas, bei denen sich die im Inneren ablaufende Gasentwicklung
gut beobachten lässt. Jedoch sind auch Exemplare aus
undurchsichtigem blauen oder roten Glas nicht selten.
Dekorativer waren Döbereiner-Feuerzeuge jedoch in Messing-
oder Blechzylindern, die mit Perlstickerei umkleidet oder mit
Lackmalerei in Stobwasser-Manier verziert wurden.
Kleine Döbereinersche Feuerzeuge baute man in
Spazierstöcke ein. Statt eines Gasentwicklers enthielt der
Schaft einen langen, zylindrischen Druckbehälter, in den der
Wasserstoff mit Hilfe einer speziellen Luftpumpe gefüllt
wurde. Der Platinschwamm befand sich in einem Fach im Griff,
das durch Federdruck geöffnet wurde.
Obwohl Döbereiner-Feuerzeuge noch bis zum Ende der 1880er
Jahre hergestellt wurden, kamen sie bereits in den 1850er Jahre außer Mode. Sie erforderten einen gewissen
Instandhaltungsaufwand, etwa das Ersetzen der verbrauchten
Schwefelsäure oder das regelmäßig notwendige Ausglühen des
Platinschwamms.
Letztlich waren die Döbereiner-Feuerzeuge trotz ihrer
weiten Verbreitung Luxusgegenstände für ein begütertes
Publikum. Ihnen haftete "immer etwas
Aristokratisches" an, ihre Benutzer mußten "aber
wohlhabend sein, denn für die Allgemeinheit waren diese Art
Feuerzeuge zu teuer."
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