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"Manche unterscheiden noch eine besondere
Art Pyrites,
die sehr reich an Feuer ist. Wir nennen sie die
lebendigen
Steine, und sie sind sehr schwer. Sie sind hauptsächlich für
die Vorhut zum Auskundschaften von Lagerplätzen
notwendig.
Mit einem Nagel oder einem anderen Stein angeschlagen,
geben
sie einen Funken, der - in Schwefel,
trockenen Schwämmen oder
Blättern aufgefangen - schneller Feuer gibt,
als es sich
aussprechen lässt."
Plinius (24-79 n.Chr.) |
"Noch mehr wie bei den
Steinen, sieht man bei den Stählen in Form und
Vorrichtung die fortschreitende Kultur. Während
sie vor drei- und vierhundert Jahren noch plump, roh und
unförmlich groß - wie für die eiserne Hand eines
Götz - waren, mit Haken versehen, an dem man sie in
der ganzen Faust halten mußte, wurden sie nach
und nach zu einem ovalen Ring, in dessen Oeffnung
man nur mit drei Fingern hinein kam, und größer
oder kleiner, jenachdem sie zum Hausgebrauche oder
zum Führen in der Tasche bestimmt waren. Vor 60-70
Jahren fertigte man schon elegantere, die mit
Messinggriffen - in Form von Hunden oder Pferden -
versehen waren, sich sehr bald aber in den Taschen
der Holzmacher und Fuhrleute verloren. Als die
Stahlfabrikazion höheren Aufschwung bekam, d.h.
billiger produziren lernte, profitirten die Feuerstähle,
die vor 30 oder 40 Jahren ziselirt, geätzt, mit
Gold ausgelegt, jedenfalls aber glänzend polirt aus den
Fabriken hervorgingen, während sie früher wieder
derber Handarbeit waren."
Detlef von Biedermann, 1859
"Das Feueranzünden mit diesem Werkzeug
war eine der mühseligsten Arbeiten für die Hausfrau.
... Dann galt es, im Dunkeln den Stahl mit dem
Stein zu bearbeiten, daß er seinen Funken in
die Zunderbüchse ergieße. Das gab ein minutenlanges
Ticken und Hämmern, und nicht selten trugen die Knöchel
Spuren davon, daß sie statt des Stahles Streiche
bekommen hatten. Das war eine Noth, wenn des Nachts ein
schreiendes Kind Licht nöthig machte; Funken
gab es genug, aber keiner fiel in den Zunder; der
Mann brummte, das Kind zeterte und die arme "bedüpperte"
Hausfrau "pitschte" noch immer vergebens
und sah sich in der Angst ihres Herzens nicht selten
genöthigt, durch Nacht und Wind zur Nachbarin zu
eilen, und Feuer zu borgen."
Berthold Sigismund, 1858
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Feuerstein und Feuerstahl
Zu den ältesten Feuererzeugungsgeräten gehören die
Schlagfeuerzeuge. Bei ihnen wird das Feuer durch die
Funken erzeugt, die beim Aneinanderschlagen eines Feuersteins
mit einem Stück Pyrit oder Schwefelkies entstehen: Sie fallen
auf den darunter gehaltenen Zunder und bringen ihn zum
Glimmen. Entgegen einem weitverbreiteten Irrtum ist es nicht
möglich, durch bloßes Aneinanderschlagen zweier Feuersteine
ein Feuer zu entfachen, da Menge und Temperatur der Funken
dazu nicht ausreicht.

Darstellung des Feuerschlagens
Kupferstich, Frankreich, 1553
Der erste wirklich sichere
Nachweis der Feuererzeugung durch Menschenhand ist eine etwa
10.000 bis 15.000 Jahre alte Pyritknolle, bei der sich durch Abnutzung beim
Feuerschlagen eine tiefe Rille ausgebildet hatte. Aus der Jungsteinzeit
haben sich zahlreiche komplette Schlagfeuerzeuge erhalten, die
aus einem Stück Pyrit, einem Feuerstein oder
einem anderen quarzhaltigen Schlagstein sowie Zunder bestehen.
Diese Schlagfeuerzeuge waren in Mitteleuropa die dominierenden Feuererzeugungsgeräte
während der
Jungsteinzeit.
Pyrit wird auch die gesamte Bronzezeit über verwendet, da
sich mit Bronze aus Feuersteinen keine Funken schlagen lassen.
Und obwohl in Griechenland die Eisenzeit bereits um 1100
v.Chr. begonnen hatte, wurde der Pyrit erst lange Zeit nach
der Erfindung des Eisens durch den Feuerstahl ersetzt. Obwohl durch
schriftliche Zeugnisse belegt, gibt es keinen erhaltenen
römischen Feuerstahl aus
der Zeit vor Christi Geburt und auch in der Zeit danach waren
sie nicht eben zahlreich.
In der Völkerwanderungs- und Merowingerzeit wurde der
Gebrauch von Feuerstählen allgemein üblich. Manche Feuerstähle
erfüllten eine eine Doppelfunktion: der Feuerstahl diente
gleichzeitig als Taschenbügel eines kleinen, am Gürtel
getragenen Täschchens für Stein und Zunder. Über die Feuerstähle des 9. bis 17. Jahrhunderts weiß
man wenig. Die einfachen, nicht oder wenig verzierten
Feuerstähle waren reine Gebrauchsgeräte, deren Form sich über
lange Zeit kaum änderte.
Daher können Feuerstähle des 19. Jahrhunderts äußerlich
denen des Frühmittelalters gleichen. Meist waren die Feuerstähle
zusammen mit ihrem Griff P-, C-, D- oder O-förmig, damit
man bequem hineingreifen und den Stahl sicher führen konnte.
Unübersehbar groß ist Zahl der Feuerstahlabbildungen in Gemälden, Allegorien und
Emblemen, in der Heraldik und Devisenkunst oder auf Wappen, Siegeln oder
Münzen, unter denen der "burgundische"
Feuerstahltypus dominiert. Dabei handelt es sich jedoch
um stilisierte Darstellungen, die in erstarrter Form
nur künstlerisch tradiert wurden und keinen Rückschluss auf
die zu jener Zeit tatsächlich verwendeten Formen zulassen.

Feuerstahl
Deutschland, um 1800
(Westfälisches Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte
Münster)
Erst aus dem 18. Jahrhundert hat sich eine größere Zahl
von Feuerstählen erhalten. Während die
Feuerstahlformen früherer Jahrhunderte im einfachen Gebrauchsgerät
fortlebten, entwickelte sich in der Feuerstahlproduktion des 18. und 19. Jahrhunderts
eine bis dahin unbekannte
Formenvielfalt. Die Handgriffe, in die der Feuerstahl nur noch
als schmale Stahlschiene eingelassen war, wurden in verschiedenen
Techniken phantasiereich gestaltet. Oft waren sie aus Messing gegossen, wobei
figürliche Darstellungen von Hunden
oder Pferden, aber auch Menschen- oder Phantasiegestalten
überwiegen. Man formte die Feuerstähle so, dass sie
zusätzlichen Zwecken dienen konnten und vereinigte sie mit Pfeifenstopfern oder Korkenziehern. Beliebt waren
Feuerstähle in Form von kleinen Zangen, die beim
Feuerschlagen ein Stück Zunder hielten.
Anfang des 19. Jahrhunderts kamen Feuerstähle in Mode, die an
einem kleinen Beutel befestigt waren, der
Schwamm und Stein enthielt. Diese, auch als
Biedermeierfeuerzeuge bezeichneten Täschchen waren beliebte
Geschenke. Gewebt oder bestickt enthielten sie häufig Anspielungen auf die Person des
Beschenkten oder des Schenkers, den Ort der Erwerbung und oder
auf ihre Funktion als Liebesgabe.

drei Biedermeierfeuerzeuge, Deutschland, Anfang 19.
Jahrhundert
(Städtisches Museum Hexenbürgermeisterhaus Lemgo,
Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Münster, Deutsches Tabak- und Zigarrenmuseum Bünde)
Endpunkt der Entwicklung des Feuerschlagens mit Stahl und
Stein waren um 1825 die sogenannten Luntenfeuerzeuge. Bei ihnen
ersetzte eine - meist gelbgefärbte und manchmal in Seide
eingenähte - salpetergetränkte Lunte aus Baumwolle den üblichen
Feuerschwamm. Statt des gewöhnlichen Feuersteins wurden zum
Funkenschlagen oftmals geschliffene Achate verwendet.
Um mit einen Feuerstahl Feuer zu schlagen, genügten
normalerweise wenige Schläge, sofern Stahl und Zunder von
guter Qualität waren. Wenn der Zunder trocken war, reichten
etwa fünfzehn Sekunden, um eine erste Flamme zu erzeugen, bei
Dunkelheit entsprechend länger.
Häufig ist davon zu lesen, wie mühselig und
langwierig es war, mit einem Feuerstahl Feuer zu schlagen.
Diese Quellen sind jedoch oft wenig authentische, literarische
Berichte, die den Topos von den mühseligen alten Zeiten
pflegen und den seither erlebten Fortschritt loben. Ihnen stehen
die Versuche der experimentellen Archäologie entgegen, in denen es selbst
ungeübten Personen mit primitiven,
archäologischen Befunden nachgestalteten Geräten nach kurzer
Zeit gelingt, ein Feuer zu entfachen.

Luntenfeuerzeuge bestehend aus einem Feuerstahl mit einer
Halterung für eine imprägnierte Lunte, Deutschland, 2.
Viertel 19. Jahrhundert (Privatbesitz)
Im Laufe der 1830er Jahre verdrängten die neu erfundenen, bequemen und billigen Zündhölzer
das Feuerschlagen mit Stahl und Stein. Schon 1838 hieß
es in einem Lexikon, der Feuerstahl "ehemals in jeder
Haushaltung eines der nothwendigsten Stücke", sei
"jetzt aus den meisten Haushalten durch die fixen oder
chemischen Feuerzeuge verdrängt worden." Nur in den
unteren Volksklassen und auf dem Lande fände man ihn noch,
"und auch dahin sind die neuen chemischen Feuerzeuge
gekommen."
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die
Kenntnis des Feuerstahls so weit aus dem Gedächtnis
geschwunden, dass bei Erdarbeiten auftauchende Feuerstähle
aus dem 18./19. Jahrhundert archäologisch "als
vorgeschichtlich oder höchstens römisch" oder als
sarmatische Tierfibeln gedeutet wurden.
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