Gasfeuerzeuge
Die Benzinfeuerzeuge waren nicht bei allen Rauchern
beliebt, da Verbrennungsrückstände das Aroma von
Zigarren oder Pfeifen beeinträchtigten. Mit der Entwicklung
des geruchlosen Gasfeuerzeugs durch den Franzosen Henri
Pingeot im Jahre 1935 wurde dieses Problem beseitigt. Seine
Verbesserungen der Ventiltechnik ermöglichten es, die kleinen
Tanks durch dicht schließende Ventile mit Gas zu füllen.
Der technische Aufwand im Detail war jedoch groß, denn die
Zündung musste präzise mit der Öffnung des Gasventils
abgestimmt werden. Die Zündung durfte erst dann erfolgen,
wenn genügend Gas zur Bildung eines entzündlichen
Gas-Luft-Gemischs ausgetreten war, aber bevor sich das Gas
bereits wieder verflüchtigt hatte oder der Sauerstoffanteil
im Gemisch durch zuviel austretendes Gas so weit gesunken war,
das es nicht mehr brannte.
So dauerte es bis zum Jahre 1947, bis der französische
Feuerzeugfabrikant Marcel Quercia mit dem "Flaminaire"
das erste Gasfeuerzeug auf den Markt brachte. Zunächst wurde
in den Gasfeuerzeugen sogenanntes Preßgas, also komprimiertes
Butangas verwendet, während das heute übliche Flüssiggas
erst Anfang der 1950er Jahre üblich wurde.
Anfangs verlief der Absatz der Gasfeuerzeuge schleppend,
denn sie waren zunächst sehr teuer. Aber in den späten
1950er Jahren wurde das Gasfeuerzeug zum
unverzichtbaren Statussymbol. Das Feuerzeug sollte
"das Fluidum eines wirklichen Schmuckstückes"
ausstrahlen und "die persönliche Note, auf die es
ankommt," verbürgen.
Zu einer Zeit, als es sich nicht "schickte",
fremde Personen anzusprechen, bot das Feuergeben den Männern
die Möglichkeit, mit dem anderen Geschlecht Kontakt
aufzunehmen. Mit dem als höflich geltenden Feuergeben konnten
unverfänglich Beziehungen angebahnt werden, gleichzeitig
konnten Frauen mit einer demonstrativ in der Hand gehaltenen
Zigarette von sich aus aktiv werden. Daher wurde selbst
Nichtrauchern der Erwerb eines Feuerzeugs schmackhaft gemacht,
denn "was kann es für den nichtrauchenden Kavalier
schöneres geben, als der rauchenden Dame Feuer zu
reichen?" Damenfeuerzeuge, ohnehin nur verkleinerte
Ausführungen von "richtigen Herrenfeuerzeugen",
standen bei den Herstellern daher weniger im Mittelpunkt des
Produktionsprogramms.
"Mit der zunehmenden Verfeinerung und
Vervollständigung der Wohnungseinrichtungen" hielt
auch das
Tischfeuerzeug Einzug in die Haushalte. Vor dem Zweiten
Weltkrieg hatte es solche nur in Rauchsalons oder
großbürgerlichen Haushalten gegeben. Nun sollte die
"moderne Wohnkultur hierin ihren einmaligen
Ausdruck" finden. Vor allem machte die sich ausbreitende
"Partykultur" die Anschaffung eines Tischfeuerzeugs
unentbehrlich.
Die ersten Gasfeuerzeuge verfügten über separate
Gastanks, die nicht wiederbefüllt werden konnten, sondern
ausgetauscht wurden. Später wurden die Wechsel-Patronen mit
Nachfüllventilen versehen, bis man zu Feuerzeugen mit
eingebautem Gastank überging, die aus Nachfüllkartuschen mit
flüssigem Butan wiederbefüllt werden konnten. 1961 kam das
erste Wegwerffeuerzeug auf den Markt, bei dem der
Kunststofftank fest mit dem Zündmechanismus verbunden war und
nicht wiederbefüllt werden konnte.
Die Einwegfeuerzeuge sollten so einfach und billig wie das
Streichholz sein. Die preiswerten Wegwerffeuerzeuge
verdrängten in den Folgejahren die technisch aufwendigen
Feuerzeuge aus Metall, die nur noch als Geschenkartikel oder
Repräsentationsobjekte überlebten. Darüber hinaus wurden
die Einwegfeuerzeuge - mit einem Aufdruck versehen - in
starkem Maße als Werbeträger verwendet, was die Zahl über
den Handel verkaufter Feuerzeuge verminderte.
Seit der Durchsetzung des Einwegfeuerzeugs ging der
Zündholzverbrauch stetig zurück. Betrug der jährlich
Pro-Kopf-Verbrauch von Zündhölzern in der Bundesrepublik im
Jahre 1971 noch 1750 Stück, waren es im Jahre 1980 nur noch
700 Zündhölzer. Auch wurde mit dem Einwegfeuerzeug das
Feuerzeug profanisiert. Das Gasfeuerzeug verlor weitgehend die
Funktion eines repräsentativen Statussymbols, den es noch zu
Beginn der 60er Jahre innehatte.
|