Pneumatische Feuerzeuge
"Das pneumatische Feuerzeug, auch bekannt unter dem
Namen Mollet'sche Pumpe, besteht aus einem messingenen,
zinnernen, oder aus jedem andern Metalle, wohl auch aus einen
aus dickem Glase gefertigten Cylinder, der an einem Ende offen
und an dem andern verschlossen ist. In diesem Cylinder laßt
man einen Kolben spielen, welcher luftdicht schließt. Das
Ende des Kolbens hat eine kleine Vertiefung mit einem
Häkchen, an welchem man ein wenig Feuerschwamm befestigt. Man
treibt diesen Kolben rasch gegen das verschlossene Ende der
Röhre und zieht ihn ebenso rasch wieder zurück, worauf man
den Feuerschwamm entzündet finden wird."
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Pneumatisches Feuerzeug aus Glas
Deutschland, gegen 1820
(Hessisches Landesmuseum Darmstadt)
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So beschrieb Christian Heinrich Schmidt im Jahre 1840 die
Wirkungsweise des pneumatischen Feuerzeuges, das gelegentlich
auch als Kompressionsfeuerzeug bezeichnet wird. Dass sich die
Temperatur von Luft erhöht, wenn man sie komprimiert, lässt sich
beim Aufpumpen
eines Fahrradreifens leicht nachvollziehen. Die vorhandene
Energie wird durch die geleistete Arbeit beim
Herabstoßen des Kolbens erhöht, ohne dass sie nach abgegeben werden kann. Dadurch erwärmt sich die Luft. Bei
einer Verdichtung auf ein Viertel des ursprünglichen Volumens
erhöht sich die Temperatur der Luft auf 210°C - ausreichend, um einen salpetergetränkten
Feuerschwamm zu entzünden.
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Pneumatisches Feuerzeug
Frankreich, gegen 1810
(Hessisches Landesmuseum Darmstadt)
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Die Entzündung beim Zusammenpressen von Luft wurde im Jahre 1802 zufällig von einem
Arbeiter in der Gewehrfabrik Saint Etienne en Forez (Loire)
beobachtet, als sich durch plötzliche Luftkompression ein
Stück Leinwand entzündete, das in den Auslass der Luftpumpe
einer sogenannten Windbüchse gestopft war, dem Vorläufer
unserer heutigen Luftgewehre. Der Lyoner Physiker J. Mollet
prüfte das Phänomen nach und veröffentlichte es im Jahre
1803. Der Pariser
Instrumentenbauer Dumotiez ermittelte daraufhin das kleinste Volumen des Zylinders, bei dem die noch
vorhandene Luftmenge ausreichte, den Zündschwamm in Brand zu
setzen. Nachdem er die Ergebnisse seiner Versuche 1806
publiziert hatte, bot er diese handlichen, mit einem
möglichst kurzen Kolben versehenen "briquets
pneumatiques" in verschiedenen Ausführungen zum Kauf an.
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Pneumatisches Feuerzeug in einem Spazierstock
Deutschland, gegen 1845
(Hessisches Landesmuseum Darmstadt)
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Das Phänomen fand seinerzeit große Beachtung und wurde in
der physikalischen Fachwelt ausführlich
diskutiert. Dies hat zur weiten
Verbreitung pneumatischer Feuerzeug in wissenschaftlichen Sammlungen
beigetragen und sie
wurden "mit Recht als unentbehrliche Apparate der
physikalischen Cabinette angesehen". Zu einer Zeit, als der Energieerhaltungssatz noch
nicht formuliert war, glaubte man, mit dem pneumatischen
Feuerzeug die Entstehung und das Wesen
der Wärme erklären zu können. Man nahm an, ein
unbekannter "Wärmestoff" werde durch den Druck aus
der Luft herausgepresst oder die erhöhte Dichte
vermindere die Speicherfähigkeit der Luft für Wärme und der
Überschuss werde nun ausgeschieden.
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Portrait mit pneumatischem Feuerzeug
Deutschland, 1845
(Hessisches Landesmuseum Darmstadt
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Da die zum Bau eines solchen Feuerzeugs benötigten Maße
von Kolben und Zylinder durch Dumotiez' Publikationen bekannt waren, nahmen Mechaniker in
verschiedenen europäischen Ländern ab 1807 die Herstellung von Kompressionsfeuerzeugen auf.
Besonders beliebt waren die in den oberen Teil eines Spazierstocks
eingebaute pneumatische Feuerzeuge. Zum Gebrauch zog man die
mit dem Kolben verbundene Stockspitze heraus,
stellte sie auf den Boden und drückte dann - bei Bedarf mit
dem ganzen Körpergewicht - auf den Knauf. Anschließend
schraubte man den Knauf ab und fand auf dessen Innenseite den
glimmenden Feuerschwamm.
Das pneumatische Feuerzeug konnte dem Feuerstahl als dem am weitesten verbreitetes Feuererzeugungsgerät
keine Konkurrenz machen. Ihm haftete stets der Geruch einer physikalischen
Kuriosität an und entgegen der in seinem zeitgenössischen
Namen "Tachopyrion" - Schnellfeuerzeug - enthaltenen
Versprechung war der praktische Nutzen der unhandlichen
Geräte begrenzt. s. Zudem stand einer weiteren Verbreitung die
Vorteile der neu erfundenen, billigen und brauchbaren Vorläufer der Streichhölzer
entgegen. Daher gerieten sie in den frühen 1830er Jahren
allmählich in Vergessenheit.
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