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"Die Physik erlangt eine Empfehlung mehr,
wenn man sie zum Gebrauche des häuslichen
Lebens anwendet, so daß selbst Unwissende,
welche dieselbe, wenn sie nicht gleich
einen unmittelbaren und augenscheinlichen Nutzen
erblicken, als eine Gattung Taschenspielerei
ansehen, und wenig zu achten pflegen, den
Maschinen, die ich hier beschreiben werde,
ihren Beifall nicht versagen können."
J. Ingenhouß, 1782 |
"Wer hätte es glauben sollen, daß
wir, seitdem uns der unsterbliche Franklin lehrte den Blitz
aufzufangen, und nach unserm Gefallen zu leiten, so kühn seyn
würden, uns kleine Blitzmaschinen zu unserm Hausgeräthe zu
schaffen, und als bequemes und elegantes Feuerzeug, um einen
Wachsstock oder eine Pfeife Taback bey einem Blitze anzuzünden,
in unsern Wohnzimmern zu haben. ... Die außerordentliche
Bequemlichkeit und Gemeinnützigkeit des neuen electrischen
Feuerzeugs, verbunden mit seiner Eleganz und physicalischen
Curiosität haben es bereits bey unsern Eleganz- und
Wissenschaft- liebenden Damen und Herren sehr beliebt gemacht;
und es ist wirklich Poesie in dem Gedanken, daß es einer jungen
Dame zum Siegeln eines Billet doux an ihren Geliebten das
reinste Himmelsfeuer gewähre."
Journal des Luxus und der Moden, 1800
"Bey diesem Werkzeuge ist
man der schädlichen Dämpfe der Nachtlichte, der zum Siegeln
und zu anderm Gebrauche brennenden Lichte in Cancley-Comtoirs
und andern Expeditionen, des Schwefels und Kohlendampfes, wie
auch aller möglichen Gefahren und Unkosten, bey den
gewöhnlichen Feuerzeugen zu dem genannten Gebrauche
überhoben."
G. C. B. Busch, 1808
"Beim Gebrauche dieser Feuerzeuge
muß man mit äußerster Vorsicht verhüten, daß sich mit der
im untersten Gefäße befindlichen Brennluft keine gemeine
vermische, weil dadurch Knallluft entstehen würde, welche beim
Anzünden Feuer fangen, und das Gefäß mit den unglücklichsten
Folgen zerschmettern könnte. Man muß daher dieses Werkzeug nie
durch unerfahrene oder wenig unterrichtete Leute behandeln
lassen."
C. F. Marschall, 1823
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Elektrische Zündmaschinen
Bei den zwischen 1780 und 1830 gebräuchlichen elektrischen
Zündmaschinen handelt es sich um die ersten Gasfeuerzeuge
überhaupt, denn bei ihnen wird Wasserstoffgas, das aus einem
Behälter strömt, mit elektrischen Funken gezündet
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Voltasches Feuerzeug
Deutschlkand (?), um 1790
(Vogtlandmuseum Plauen)
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Sie bestehen aus zwei übereinander gestellten Glaskugeln,
die durch einen Stutzen verbunden sind. Das untere Glasgefäß
ist mit Wasserstoff gefüllt, das obere mit Wasser. Das von
oben nachströmende Wasser hält das Gas unter Druck. Wenn der
Hahn geöffnet wird und das Gas ausströmt, läuft von oben
Wasser nach und drängt dadurch das Gas nach außen.
Die Funken werden mit einer elektrisch aufgeladenen
Harzplatte erzeugt, die in einem Holzkasten unter den
Glasbehältern untergebracht ist. Diese Harzplatte -
Elektrophor genannt - wird mit einem Katzenfell oder
Fuchsschwanz gerieben und dadurch aufgeladen. Dann legt man
eine Metallscheibe auf den Elektrophor. Dabei sammeln sich die
positiven Teilchen in der Metallscheibe, die negativen im
Harzkuchen. Vor der Gasaustrittsdüse befinden sich zwei
Elektroden, von denen eine mit dem Elektrophor, die andere mit
einer kleinen Metallkugel verbunden ist, die als Kontakt
oberhalb der Metallplatte befestigt ist. Wenn die
Metallscheibe vom Elektrophor abgehoben wird, wird die
positive und negative Ladung getrennt, gleichzeitig erhält
die Metallplatte Kontakt mit der Metallkugel. Der entstandene
Spannungsüberschuss in der Metallplatte wird abgebaut, indem
zwischen den Elektroden Funken überspringen und so den
ausströmenden Wasserstoff zünden.
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Voltasches Feuerzeug
Deutschland (?), um 1810
(Hessisches Landesmuseum Kassel)
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Der Elektrophor wurde im Jahre 1775 vom italienischen
Physiker Alessandro Volta erfunden. Dieser hatte mit seinen
Knallgaspistolen bereits die elektrische Zündung von
Wasserstoff entwickelt, als er schon 1775 - im Jahre seiner
Erfindung - ein mit seinem Elektrophor gezündetes Feuerzeug
zeichnete. Gewöhnlich - und zu Unrecht - wird die Erfindung
des elektrischen Feuerzeuges Johannes Fürstenberger aus Basel
zugeschrieben. Unabhängig von Fürstenberger war auch der
Augsburger Mechaniker Brandner auf die selbe Idee verfallen.
Bei all diesen Geräten stehen jedoch die einzelnen
Bauteile nebeneinander offen auf einem Tisch. Daher handelt es
sich bei diesen "Feuerzeugen" eher um physikalische
Experimente und weniger um einen verwendbaren
Gebrauchsgegenstand. Erst die 1779 von Pizenberger aus
Konstanz gezeichnete Zündmaschine vereinigt alle Bauteile in
einem Gehäuse und koppelt den Hebel zur Funkenzündung mit
dem Gashahn.
Die Zeitgenossen dieser an wissenschaftlichen
Neuentdeckungen interessierten und für physikalische
Spielereien besonders empfänglichen Epoche waren begeistert.
Die Entzündung eines unbekannten, unsichtbaren Gases mit
einem dem Blitz ähnlichen Funkenüberschlag verlieh der aus
dem Nichts gezündeten Flamme etwas Übernatürliches und trug
den elektrischen Feuerzeugen den Namen "philosophische
Lampe" ein.
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Zündmaschine nach Gerzabeck
Nürnberg, um 1820
(Friedrich-Schiller-Universität Jena)
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Im Gegensatz zum umständlichen und insbesondere bei
Dunkelheit schwierigen Feuerschlagen mit Stahl und Stein bot "diese
sehr artige und sinnreiche Maschine die große Bequemlichkeit,
jeden Augenblick bey Tage und bey Nacht ganz unfehlbar Feuer
und Licht zu haben". Natürlich waren die
Zündmaschinen nur für Wohlhabende erschwinglich, die sich
den Komfort "Feuer zu haben, ohne erst einen Bedienten
rufen zu müssen", etwas kosten lassen konnten.
Die elektrischen Feuerzeuge bargen jedoch erhebliche
Gefahren. Die Verwendung von Wasserstoffgas erforderte
besondere Vorsicht, denn der Wasserstoff im Gasbehälter
durfte sich auf keinen Fall mit Luft vermischen. Das dabei
entstehende gefährliche Gas-Luft-Gemisch konnte bei seiner
Zündung explodieren.
Auch wegen der komplizierten Gaserzeugung waren die
elektrischen Feuerzeuge im Dauerbetrieb zunächst
unkomfortabel. Das Wasserstoffgas musste in einem separaten
Verfahren aufwendig hergestellt, aufgefangen und dann in das
Gasreservoir umgefüllt werden. Daher sollte es zwanzig Jahre
dauern, ehe die elektrischen Feuerzeuge in größerer Zahl
Einzug in die Haushalte hielten. Denn erst gegen 1800 gelang
es, die Gasentwicklung in das Feuerzeug selbst zu verlegen.
Dabei tropfte verdünnte Schwefelsäure auf ein Stück Zink,
wodurch sich Wasserstoff entwickelte.
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Gerzabeck'sches Reisefeuerzeug
München, um 1820
(Hessisches Landesmuseum Darmstadt
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Noch bequemer wurden die elektrischen Zündmaschinen, als
Ersatz für den Elektrophor gefunden wurde, der ja immer
wieder mit der Hand aufgeladen werden musste. Im Jahre 1815
baute der Münchner Instrumentenbauer Johann Gerzabeck statt
des Elektrophors eine Elektrisiermaschine in die elektrischen
Feuerzeuge ein. Diese bestand aus einer runden Glasplatte, die
sich zwischen zwei mit Amalgam bestrichenen Lederkissen drehte
und wurde beim Öffnen des Gashahns in Drehung versetzt.
Bei Gerzabeck erreichte die dekorative Ausprägung der
elektrischen Feuerzeuge ihren Höhepunkt. Es handelte sich bei
ihnen weniger um einen Gebrauchsgegenstand, sondern "in
ihrer gut gearbeiteten Form, in welcher man sie als Putzmeuble
überall aufstellen kann" eher um ein repräsentatives
Statussymbol handelte, bei der die Eleganz der Dekoration eine
nicht unwesentliche Rolle spielte.
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