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"In den Hauswirthschaften bedient sich der
weibliche Theil des Personals zur Feuererzeugung statt
des Feuerschwammes des sogenannten Zunders, der auf die
Weise dargestellt wird, daß man in eine Büchse linnene
oder baumwollene Lumpen thut, sie anzündet und, wenn
sie halb verbrannt sind, das Feuer auf die Weise
erstickt, daß man erstere mit einer hölzernen oder
blechernen Scheibe zusammendrückt und die Büchse
verschließt. Die Funcken, welche man auf diese Art von
Kohle fallen läßt ... entzünden den Zunder aufs Neue.
Die Linnen- oder Baumwollenfasern sind durch
dazwischengelagerte Luft getrennt, und die Funken
pflanzen sich daselbst leicht fort."
Christian Heinrich Schmidt, 1840 |
"An den Wurtzeln deß gemeinen
Hufflattichs wechst ein weisse wollen/ so man dieselbige von den
Wurtzeln abklaubt/ säubert/ in ein leinen Tüchle verwickelt/
vnd in Lauge/ darinnen zuvor ein wenig Salniter zerlassen sey/
lesset erwallen/ vnd endtlich an der Sonnen dörzet/ ist es der
allerbeste Zunder in den Fewerzeug/ fangt das Fewer baldt im
ersten schlag."
Petrus Andreas Matthiolus, 1586
"Andere Holtzschwämme/ so man an
den Buchen/Nußbäumen/ vnd andern/dürr und trucken werden/
brauch man zum Fewerwerk/ danso sie einmal entzündet seindt/
verlöschen sie gar langsam. Darumb wissen etliche gemeldte
Schwämm wol zu bereiten/ daß sie gar bald Fewer empfahen/
sieden vnd kochen sie in Laugen/ lassen sie trucknen/ dann
klopfen sie dieselbigen weych/ vnd sieden sie als von newen in
Salpeterwasser/ dan werden sie das Fewer zu empfahen desto
geschickter. Etliche suchen ihre Nahrung auß diesen Schwämmen
und Zundern."
Petrus Andreas Matthiolus, 1586
"Man sammelt den Schwamm im August
oder September. ... Die Zubereitung desselben nimmt damit ihren
Anfang, daß man die obere Rinde und die noch anhängenden
holzigen Theile auf das Sorgfältigste wegschneidet, weil beide
gleich wenig entzündlich sind. Um hierauf den trockenen Schwamm
zu erweichen, schichtet man ihn in einem Fasse, legt einen
Deckel darüber, auf diesen einen Stein, und gießt nun
Aschenlauge oder Pottaschen-Auflösung (1 Pfund Pottasche für
25 Pfund Schwamm enthaltend) auf. Nachdem der Schwamm 2 bis 3
(des Winters auch 4) Wochen lang mit der Lauge in Berührung
geblieben ist, nimmt man ihn heraus, läßt ihn abtröpfeln,
klopft ihn auf einem Holzbocke mit einem hölzernen Schlägel,
bis er zu einer flachen dünnen Scheibe ausgebreitet ist,
trocknet ihn, und gibt ihm endlich die völlige Weichheit durch
anhaltendes Reiben zwischen den Händen. Sehr oft wird der
Aschenlauge etwas Salpeter (1 Pfund auf 30 bis 50 Pfund Schwamm)
zugesetzt, wodurch sich die Entzündlichkeit vergrößert.
Einweichen des Schwamms in Bleiessig erfüllt diesen Zweck
ebenfalls."
Karl Karmarsch, 1835
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Zunder und Feuerschwamm
Die Funken, die durch Stahl und Stein erzeugt wurden,
brachten den Zunder zwar zum Glimmen, er brannte jedoch nicht.
Eine offene Flamme musste mit weiteren Hilfsmitteln - etwa
trockenem Gras oder Blättern erzeugt
werden. Unter Zunder werden alle Materialien
verstanden, mit denen Funken aufgefangen und zu einer ersten
Flamme angefacht wurden.

Zunderdose mit Einlegearbeiten aus
Messing und Schildpatt, um 1792
(Landesmuseum Oldenburg)
Hierzu zählen beispielsweise
Sägespäne oder Holzmull. Der Feuerschwamm ist nur ein
Material unter vielen, wird aber oft als Zunder
schlechthin verstanden. Dies ist nicht ganz richtig, denn mit
Zunder im historischen Sprachgebrauch ist verkohlte Leinwand
gemeint. Dieser Leinwandzunder war beliebt, weil er sich aus
alten Lumpen ohne
Kosten im eigenen Haus herstellen ließ. Daneben wurden die verschiedensten anderen Materialien als
Zunder verwendet. Man gebrauchte Torf, mit Salpeter behandelte
Baumwolle oder andere Faserstoffe wie Werg, die wolligen Samen
bestimmter Pflanzen oder aber Papier, das mit Salpeter,
Bleizucker oder Bleiessig getränkt wurde.
Mit Beginn der Neuzeit wurden Schwefelhölzer oder Schwefelfäden gebraucht, die sich
- an den glühenden Zunder gehalten - entzündeten.
Schwefelhölzer waren einfache, länglich-grobe Späne, die mit ihrer Spitze in
geschmolzenen Schwefel getaucht wurden. Die Schwefelhölzer haben nichts mit den späteren, durch
Anreißen entzündlichen Zündhölzern zu tun. Die Schwefelfäden
wurden in gleicher Weise aus Leinen-, später aus
Baumwollfäden angefertigt.
Verbreitet war der "Knips" genannte Holzmoder
oder Holzmull, bei dem es sich um faules Buchen- oder
Birkenholz aus dem Inneren der Bäume handelte. Da man ihn
selbst sammeln konnte, war er war bei der Landbevölkerung verschiedener Regionen
beliebt. Oft wurde seine Entzündlichkeit durch Tränken mit
Salpeter oder Bleizucker gesteigert.
Neben dem Leinwandzunder am verbreitetsten - "und
vorzüglich von den Tabacksrauchern gebraucht" - war
jedoch die Verwendung von Feuerschwamm als Zunder. Beim ihm
handelt es sich um einen zur Familie der Porlinge gehörenden,
in Deutschland weitverbreiteten Ständerpilz. Schwämme wurden
bereits in vorgeschichtlicher Zeit als Zunder verwendet. So
führte auch 1991 gefundene, als "Ötzi" bekannte
Mann vom Similaun-Gletscher ein Schlagfeuerzeug mit
Baumschwämmmen mit sich.

zwei Zunderdosen, Deutschland, um 1800 (rechts) und um 1840
(links)
(Regionalmuseum Kevelaer / Deutsches- Tabak- und
Zigarrenmuseum Bünde)
Der getrocknete Feuerschwamm war auch unbehandelt zum
Feueranzünden geeignet, durch eine geeignete Behandlung ließ sich jedoch
seine Entzündlichkeit steigern. Dazu gehörte das
Flachklopfen des Pilzes zu dünnen Lappen und dessen Einlegen
in Salpeter. Rezepte hierzu lassen sich bereits im 16.
Jahrhundert nachweisen. Es gab schwarz gefärbten Feuerschwamm, der
zusätzlich mit Schießpulver eingerieben wurde, damit er besonders leicht
Feuer fing. Der bei der Feuerschwammherstellung anfallende
Abfall wurde in Papiermühlen zermahlen, wie Papier geschöpft,
mit starker Salpeter- oder Kaliumchloratlösung getränkt und zu sogenanntem Blätter-, Papier- oder
Bogenschwamm gepresst.
Die Zunderschwammgewinnung war in vielen Waldgebieten ein
wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Erlös aus der
Schwammgewinnung war beträchtlich und überstieg vereinzelt
den Ertrag aus dem Holzverkauf. Daher wurden Buchen und
Schwämme regelrecht angebaut. Die Schwammgewinnung fand sich
in allen waldreichen Mittelgebirgen wie dem Thüringer Wald,
dem Bayerischen Wald, dem Schwarzwald und dem Odenwald, wo der
Schwamm in Heimarbeit hergestellt wurde. Bereits im 16.
Jahrhundert hatte sich das Gewerbe der sogenannten Schwammklöpler oder
Zunderschläger herausgebildet und war im allgemeinen mit einem umfangreichen
Hausierhandel verbunden.

Zunderschläger im Odenwald, Ende 19. Jahrhundert
Mit zunehmender Verbreitung des
Zündholzes seit der Mitte des 19. Jahrhunderts schrumpfte die
Zunderschwammproduktion. Die Menge der
hergestellten Zunderschwämme nahm stetig ab und während um
1870 noch mehrere hundert Zentner jährlich verarbeitet
wurden, waren nach 1900 nur noch einzelne, meist ältere Leute
mit der Zunderherstellung beschäftigt.
An der Art des
Zunders oder der Zunderbereitung orientierten sich auch die
zum Aufbewahren des Zubehörs bestimmten
"Feuerzeuge". Bei den sogenannten Zunderladen
handelte es sich um mit einem Deckel verschlossene
Holzkästen, die in zwei Abteilungen unterteilt waren. In dem
einen Fach lagen Stahl und Stein, in dem anderen als Zunder
verwendete Hobelspäne. Die Stähle waren gelegentlich mit
Ketten an der Zunderlade befestigt, um ihr Verlieren zu
verhindern. Einzelne erhaltene Exemplare solcher hölzerner
Zunderladen stammen bereits aus dem 14./15. Jahrhundert. 
Zunderlade, Deutschland, 1837
(Braunschweigisches Landesmuseum)
Speziell für die Verwendung
des Leinwandzunders waren die aus Weißblech hergestellten,
sogenannten thüringischen Feuerzeuge gedacht. Sie kamen im
17. Jahrhundert in Gebrauch und verfügten neben einer
Unterteilung für Feuerstahl und Schwefelfäden über ein
besonderes Fach mit Deckel, in dem der Leinwandzunder
hergestellt und aufbewahrt wurde. Für Zunder aus Holzmull verwendete man seit dem 17.
Jahrhundert einen speziellen tonnenförmigen Behälter, die
vorwiegend in Norddeutschland gebräuchliche Zunderbüchse.
Sie wurden aus Holz oder Messingblech hergestellt und hatten
einen verschiebbaren Boden, mit dem man den Zunder von unten
nachschieben konnte.
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