Damenrasierer
Bereits
in den 1870er Jahren gab es in aristokratischen oder großbürgerlichen
Kreisen schulterfreie oder nur mit einem breiten Träger
versehene Ballkleider ohne Ärmel, bei denen »man den Rand
der Achselhöhle oder gar durchdieselbe unter dem Arme
wegsehen kann, wie man es häufig bei Concertsängerinnen aber
auch Gesellschaftsdamen findet.«
Danach begann man, nun
ebenfalls die Achselhöhle zu enthaaren. Während des Ersten
Weltkrieges gab es Kleider ohne Ärmel jetzt auch in der
Abendgarderobe bürgerlicher Kreise. Zwar blieben ärmellose
Kleider weiterhin der Tanz- oder Ausgehgarderobe vorbehalten,
wurden allerdings von breiteren Bevölkerungskreisen
getragen. Nun begann sich insbesondere in den Vereinigten
Staaten die Rasur der Achseln zu verbreiten.
Der
erste Naßrasierapparat für Frauen wurde im Jahre 1915 unter
dem Namen »Milady Decollete« von Gillette produziert. Er war zunächst für die Rasur unter den
Armen gedacht. Gillette hatte die Idee eines Damenrasierers
nicht selbst entwickelt, sondern entschloss sich erst nach einigem
Zögern zur Aufnahme der Produktion, nachdem sich Anfragen aus
amerikanischen Badeorten häuften. Ärmellose
Sommerkleider und Badeanzüge erzeugten eine entsprechende
Nachfrage. Die Rasur der Achseln war demnach bereits vor dem Ersten
Weltkrieg zwar nicht allgemein üblich, aber immerhin so weit verbreitet,
dass
sich daraus eine nennenswerte Nachfrage nach entsprechenden
Apparaten entwickelte.
Nach
dem Ersten Weltkrieg wurden zahlreiche »Damenrasierer«
angeboten, die sich kaum von den für Männern üblichen
Apparaten unterschieden. Manchmal fielen die Rasierer einfach
nur kleiner aus. Die Bezeichnung »Rasierapparat«
wurde allerdings oft vermieden.
Ab den 1920er Jahren hatte das Beispiel amerikanischer
Filmschauspielerinnen besondere Bedeutung für die Ausbreitung
der Achselrasur in Deutschland. Der Einfluss insbesondere der amerikanischen Filme auf das
Modeverhalten in den zwanziger und dreißiger Jahren kann kaum
unterschätzt werden. Die Nachahmung bestimmter
Filmschauspielerinnen in Kleidung und Frisur war unter jungen
Frauen weit verbreitet, und auch deren enthaarte Achseln
wurden von den Zuschauerinnen kopiert.
Während
des Ersten Weltkrieges wurden die bis dahin bodenlangen Röcke
kürzer, zu Beginn der zwanziger Jahre waren sie knielang.
Damit wurden die Frauenbeine zum ersten Mal in der Geschichte
der Mode enthüllt. Strümpfe waren vor dem Ersten Weltkrieg
fast ausschließlich schwarz, aus Wolle oder Baumwolle
hergestellt und dementsprechend undurchsichtig.
Erst 1921/22
gab es zunächst beige, dann fleischfarbene Strümpfe aus
Viskose - Kunstseide oder Rayon genannt. Sie gewannen im Verlauf der
1920er Jahre ein gewisses Maß an Durchsichtigkeit.
Erst danach begannen die Frauen, auch die Haare an den Beinen
zu beseitigen, um zu verhindern, »daß unzählige Haare
durch die Strümpfe hindurchstechen und aller Welt auffallen.«
Zu Beginn der dreißiger Jahre hatte sich die Rasur der
Frauenbeine auch in Deutschland allgemein durchgesetzt.
Um
1928 kamen linienschmale, hochgezogene Brauen in Mode, wie sie
auch Marlene Dietrich trug. Oft konnte dieses Ideal nur
dadurch erreicht werden, dass die natürliche Braue ausrasiert
oder weggezupft und dann die Braue mit einem Augenbrauenstift
nachgezogen wurde. Das völlige Ausrasieren wurde nach dem
Krieg aufgegeben. »Der Feldzug gegen die Augenbrauen ist
beendet«, stellte ein Kosmetik-Brevier 1956 fest, »Rasieren
der Brauen gehört zu den verbotenen Barbareien.«
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