Ladyshave
Bei
Markteinführung der ersten elektrischen Rasierapparate in der
zweiten Hälfte der 1930er Jahre wurden Frauen ebenso wie
Männer angesprochen. Den im Jahre 1936 produzierten ersten
Remington-Elektrorasierer bot man in einer Farbvariante für
die weibliche Kundschaft an.
In
der Zeit des Nationalsozialismus waren derartige kosmetische
Maßnahmen ungeliebt, befand man sich doch in einer »Abwehrstellung gegen die entartete Schönheitspflege
westlicher Herkunft«. Kosmetik galt »als der
deutschen Frau des dritten Reiches unwürdig«. Doch die
Parteipropaganda hatte ihre Grenzen und blieb in manchen
Bereichen des täglichen Lebens ohne die erwünschte Wirkung.
Während
des Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit verbreitete
sich die Rasur der Frauenbeine, da keine kunstseidenen Strümpfe zu bekommen waren. Die Beine
wurden rasiert und mit brauner Schminke oder gar Brühwürfeln
eingerieben. Die Naht wurde mit einem Augenbrauenstift gezogen
und so die fehlenden Strümpfe vorgetäuscht.
Nach dem Ende
des Zweiten Weltkrieges tauchten Perlon- und Nylonstrümpfe auf dem europäischen Markt auf. Die Nylonstrümpfe waren
wesentlich durchsichtiger als solche aus Kunstseide. Ende der
fünfziger Jahre begann sich der nahtlose Strumpf
durchzusetzen. Er sollte im Gegensatz zu seinem Vorgänger als
Kleidungsstück nicht mehr in Erscheinung treten, sondern
ein nacktes Bein vortäuschen. Um diesem ein makelloses
Aussehen zu verleihen, war es besonders wichtig, womöglich
durch den Strumpf sichtbare Haare zu entfernen.
Die Werbung
der 195er Jahre beschrieb die Körperbehaarung
als »unerwünscht«, »überflüssig«, »störend«
und »lästig«, und es galt, dieses Problem »auf
elegante Art« zu entfernen. Die ärmellosen, leichten Kleider der fünfziger
Jahre, knapper werdende Badeanzüge und Bikinis und die
aufkommende Strand-, Urlaubs- und Freizeitmode ließen den
Bedarf an Ladyshaves wachsen.
Im Vergleich zur Vorkriegszeit
hatte sich ein bindenderer Verhaltensstandard herausgebildet,
der die Enthaarung der
Achselhöhle als unerlässlich ansah. Die Entfernung der Haare auf den
Beinen war demgegenüber weniger bindend und beschränkten sich auf besonders dichten und
dunklen Haarwuchs. Dabei ließen sie die Möglichkeit des
Bleichens der Haare offen. Die Entfernung der Haare auf den Armen und Händen
spielte dagegen eine untergeordnete Rolle.
Während
amerikanische Hersteller schon früh speziell für Frauen
produzierte Elektrorasierer in der Bundesrepublik anboten,
hielten sich die europäischen Produzenten zurück. Bis in die
1970er Jahre hinein bestanden bei der Kundschaft gewisse
Vorbehalte gegen den elektrischen Ladyshave.
Derzeit werden die mit Schersystemen arbeitenden Ladyshaves
zunehmend durch Epiliergeräte abgelöst, die die Haare
einfangen und an der Wurzel ausziehen.
Heute
bezeichnet die
Werbung Haare weniger als lästig oder unerwünscht. Es
herrscht der allgemeine Eindruck vor, die
Haarentfernung sei integraler Bestandteil der Schönheits- und
Körperpflege jeder sportlichen und modebewussten Frau. Die Enthaarung
soll dabei zu einer
Zunahme der erotischen Ausstrahlung der Benutzerin
führen.
Dabei
stellt heute die Entfernung der Schamhaare in dem als »Bikinizone«
bezeichneten Bereich der für die Beine weit ausgeschnittenen
Bademode einen wichtigen Verwendungszweck der
Ladyshaves dar. Unter dem Eindruck erotischer Bilder und
Darstellungen gelangte in den letzten Jahren auch die
teilweise oder vollständige Rasur der Schambehaaarung zu
einer Bedeutung, die längst über ihre frühere
Fetischisierung hinausgreift und sie schon fast als Teil
bürgerlicher Normalität erscheinen lässt.
|