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"Die Frictionsfeuerzeuge haben wegen ihrer
geringen Zündbarkeit und anderer Mängel wegen (weil sie z.B.
beim Durchziehen durch Sandpapier einen bedeutenden Druck
erforderten, wobei oft die ganze Zündmasse abgestreift wurde)
nur geringe Verbreitung gefunden."
Karl Karmarsch, 1861 |
"Die Phosphorhölzer haben hinsichtlich
der Schnelligkeit und der Sicherheit in der That solche
Vorzüge vor allen bekannten Mitteln, Feuer zu machen, daß
sie alle verdrängen werden. Bei Nacht, im Freien unter
jeglichem Witterungseinflusse bewährt sich die verläßliche
Anwendbarkeit derselben, und sie sind im Gebrauche zur
Anbrennung der Pfeife, wie zur augenblicklichen Lichterzeugung
vor allen geeignet und sicher, weil die rauhe Oberfläche
viele Jahre hindurch als brauchbar ausdauert. Kaum soviel Raum
einnehmend, als man sonst für Stahl, Stein und Schwamm
brauchte, enthalten die für Lichterzeugung bestimmten netten
Etuis aller Formen sogar kleine Wachskerzen für den Nothfall,
oder auch Zündbänder, welche statt des lästigen
Schwefeldampfes sogar Wohlgerüche verbreiten."
Christian Heinrich Schmidt, 1840 |
"Man
kann von beinahe keinem Zündhölzchenverkäufer, beinahe von
niemandem, der sich der Zündhölzer bedient, sagen, daß er
nicht wenigstens einmal Zeuge eines Vorfalls durch die
Explosion einer Schachtel eines Packets Zündhölzchen oder
auch nur eines Zündhölzchens gewesen sei. Die
übergroße Leichtentzündlichkeit der Zündhölzchen ist die
Hauptursache dieser Vorfälle, man kennt selbst Fälle,
daß sich Packete mit Zündhölzchen unter den Händen
entzündeten, ohne daß man wußte, wie es geschehen sei;
kürzlich entzündete sich ein Packet Zündhölzchen, daß von
der Höhe von nur drei Schuh auf einen Teppich gefallen
war."
Zeitschrift für Pyrotechniker, 1844 |
"Da die neuerdings in Gebrauch gekommenen
Reibzündwerkzeuge sich als feuergefährlich erwiesen haben,
so wird mit Genehmigung Königlich er Ministerii des Innern
hiermit verfügt: Der Vertrieb der sogenannten Reibzünder,
des Reibschwammes, und aller Zündwerkzeuge, welche sich durch
Reiben an einer rauhen Fläche entzünden, wird bei Vermeidung
der Confiscation und einer Geldstrafe von 5 bis 10 Thalern
untersagt."
Allgemeine Handlungs-Zeitung 1835 |
"Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich die neuen
Zündhölzer über alle civilisierten Länder und jetzt
haben sie fast überall die Alleinherrschaft. Eine
Zunderbüchse findet sich selbst im conservativsten
Bauernhause nur noch im Alteisenkasten."
Berthold Sigismund, 1858 |
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Phosphorzündhölzer
Die ersten Reibzündhölzchen wurden 1827 von dem
Engländer John Walker in den Handel gebracht. Ihr Zündkopf
bestand aus Kaliumchlorat und Schwefelantimon, der sich
durch kräftiges Hindurchziehen zwischen Sandpapier zusammen
entzündete. Die "Friction-Matches" wurden als "Congrevische Reibzündhölzer"
bezeichnet, da Walker die Hölzer aus Werbegründen nach General
Congreve,
der Erfinder einer populären Brandrakete benannt hatte.
Dieselben Zündhölzer vertrieb auch Samuel Jones , jedoch unter dem Namen "Lucifers"
oder "Lucifer Matches".
Erst 1832 wurden diese "Frictionsfeuerzeuge" von Jakob
Friedrich Kammerer aus Ludwigsburg zu den ersten Phosphorzündhölzern
weiterentwickelt. Sie vereinten den
Phosphor der Phosphorfeuerzeuge mit dem Kaliumchlorat in einem
Zündkopf und ließen sich durch Reiben auf jeder nur etwas rauen Oberfläche zu
entzünden.
Diese Phosphorzündhölzer verdrängten binnen weniger Jahre
alle anderen Geräte zum Feuermachen, insbesondere das zu
dieser Zeit noch allgemein übliche, aber umständliche
Feuerschlagen mit Stahl und Stein. Den Zeitgenossen blieb nur
die Feststellung, dass "die jetzt allgemein
gebräuchlichen Phosphorzündhölzchen fast alle andern
Apparate, welche früher dazu dienten, Feuer und Licht zu
erzeugen, fast vollständig verdrängt haben."
Im Vergleich zu den damals bekannten
Geräten waren die Streichhölzer ein nicht zu
unterschätzender Fortschritt. Im täglichen Gebrauch waren die Zündhölzer der 1830er
und 1840er Jahre nicht ungefährlich. Selbstentzündungen waren
ebenso häufig wie Berichte, nach denen Streichholzschachteln in den
Hosentaschen ihrer Benutzer in Flammen aufgingen. Selbst kleinste Unachtsamkeiten konnten zu Bränden
führen, da sich versehentlich zu Boden gefallene
Streichhölzer entzündeten, wenn man auf sie trat.
Besonders
verbreitet war das explosive Abbrennen der gerade entzündeten
Hölzer, dass sich meist in Knallen oder lautem Knistern
äußerte. Oft spritzte die brennende Zündmasse herum und der
darin enthaltene Phosphor konnte zu schwer heilenden
Verbrennungen führen: "Die Beispiele von Brennwunden,
besonders im Gesichte, durch die Explosion eines
Zündhölzchens oder das Herumspritzen der entzündeten Masse
erzeugt, waren sehr häufig; man kennt mehrere Fälle, in
denen das Auge dabei das Opfer wurde."
Die Herstellung der Zündmasse erforderte große Vorsicht, handelte es sich doch um eine äußerst gefährliche
pyrotechnische Mischung. Verheerende Explosionen bei ihrer
Zubereitung waren nicht selten. Häufig waren auch Brände in
den Lagern der Fabriken, in denen Streichhölzer unverpackt aufbewahrt wurden, und Brände und
Explosionen in Kutschen und Transportwagen, die Streichhölzer
transportierten.
Daher wurde der Vertrieb der Reibzündhölzer in den 1830er
Jahren in den meisten deutschen Staaten verboten. Trotzdem stieg die Zahl der
Betriebe und die Produktionsmenge an, da die Verbote offenbar
nicht besonders streng beachtet wurden.
Um die Gefährlichkeit der Streichhölzer zu vermindern,
ersetzte J. Preshel 1837 das explosive Kaliumchlorat durch Bleidioxyd. Die Zündmasse hatte dadurch
eine chemisch stabilere
Zusammensetzung erhalten und entsprach nun "allen
billigen Anforderungen, indem sie hinsichtlich der
Schnelligkeit und Sicherheit mit der man im Stande war, selbst
unter den mannichfaltigsten, oft sehr ungünstigen
Verhältnissen sich Feuer zu machen, nichts mehr zu wünschen
übrig ließ." Die verbesserten Zündmassen führten nach
1840 dazu, dass die Verbote der Phosphorzündwaren nach und
nach wieder aufgehoben wurden.
Doch griffen die Behörden weiterhin in den Gebrauch der Zündhölzer
ein: Sie durften nur in
Blechdosen mit einem von selbst zufallenden Deckel aufbewahrt
werden. Mit diesen Vorschriften sollten auch Kinder am Gebrauch der Streichhölzer
gehindert werden. Die Zündhölzer hatten ein Phänomen
verursacht, das es bei dem mühsam zu handhabenden Feuerstahl
nicht gegeben hatte: Brände durch spielende Kinder. Man versuchte, die Kinder erzieherisch vom
Spielen mit Zündhölzern abzuhalten, etwa mit moralisierenden Geschichten
wie "Die gar traurige Geschichte mit dem
Feuerzeug" aus dem "Struwwelpeter".
Die veränderte Zündmasse und
eine Rationalisierung der Produktion verminderten die
Herstellungskosten auf einen Bruchteil, "was zur Verringerung des Preises und der dadurch
hervorgerufenen Verbreitung wesentlich beitrug, ... so daß
jetzt auch der Aermste den Vortheil dieser bequemen Feuer- und
Lichterzeugung genießen kann." Die stetig steigende Nachfrage machte das Streichholz zu
einem Massenbedarfsgut und binnen weniger Jahre vollzog
sich der Aufbau einer Zündholzindustrie, wodurch sich
"der Gebrauch und die Fabrikation der künstlichen
Feuerzeuge sich zu einer wahrhaft riesenmäßigen Ausdehnung
emporgeschwungen haben."
Bereits Anfang
der 1850er Jahre wurden allein in Österreich jährlich 50
Milliarden Hölzer hergestellt, und zu Beginn der 1860er Jahre
produzierten allein die drei Fabriken in Andreasberg,
Lauterberg und Oberfeld im Harz tagtäglich 700 bis 800
Millionen Hölzer, die in 20.000 auf 200 Drehbänken
gedrechselten Holzbüchsen und 60.000 Spanschachteln verpackt
wurden.
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