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"Will man diesen Pyrophor ans ein
Feuerzeug benutzen, so ist das geeignetste Gefäß ein kleines
Pulverhorn, das man vorher an der Innenseite gut getrocknet
hat und gegen Feuchtigkeit mit einem guten Stöpsel verwahrt.
Schüttet man ein wenig von diesem Pyrophor auf eine leicht
entzündliche Substanz, z.B. auf trockene Baumwolle, so fängt
letztere augenblicklich Feuer."
Christian Heinrich Schmidt, 1861 |
"Seine überaus
leichte Entzündlichkeit bedingte eine sehr sorgfältige
Aufbewahrung und große Vorsicht, weshalb er auch nicht
allgemein in Gebrauch kommen konnte."
Detlef von Biedermann, 1859 |
"Eine Feuer-Kugel zu machen, daran man
dreyssig Tage Liecht anzünden kan. Nim Kühe-Koth von dem
ersten May-Grass, dörre ihn, und mache ihn zu feinem Pulver,
knete ihn mit Brandtewein, mache einen Kuchen daraus, den
dörre sehr wol und mache ihn wieder zu Pulver, nun passire es
abermals mit dem besten Spiritu vini, mache Küglein daraus
einer Nuss gross, diese trockne wol, alsdenn mische
gelöschten Kalck mit Eyweiss, umbwickele die Köglein mit
Hanff, wirff sie in den Kalck, und schwemme sie wol darinnen,
hernach lass sie trocken werden, so werden sie auswendig wie
ein Stein; in jedwede Kugel mache mit einem Böhrlein ein
Loch, thue eine glühende Kohle darein, und mache das Loch mit
einem eisern Zwecken zu. Wenn du nun Feuer haben wilt, Man mag
diese Kugel ohne Schaden bey sich tragen, wie man wil, jedoch
ist es besser in einem blechern Büchslein."
Schatzkammer
rarer und neuer Curiositäten, 1697 |
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Pyrophore
Als Pyrophore wurden chemische Verbindungen bezeichnet, die
sich bei Raumtemperatur selbst entzünden, sobald sie der Luft
ausgesetzt sind. "Das Erzeugnis entzündet sich, so wie
es an die Luft kommt, und sprühet gleichsam von selbst Feuer.
Nach einiger Zeit, wenn das Gefäß, worin der Pyrophor
aufbewahrt wird, oft geöffnet worden, entzündet er sich erst
beim schwachen Anhauchen, aber mit mehreren kleinen
Explosionen, ganz so wie Kalium, und brennt dann Schwamm,
Schwefelfaden, Tabak u.s.w. sicher und schnell an."
Pyrophore
bestanden in der Hauptsache aus Alaun und einem
Kohlenstoffträger wie Honig, Mehl, Zucker oder
Holzkohlenpulver, die miteinander vermischt und ausgeglüht
wurden. Ein solcher Pyrophor wurde von dem Chemiker Homberg
(1652-1715) entdeckt und Mitte des 18. Jahrhunderts auch
vereinzelt zum Feueranzünden verwendet. Er musste unter
Luftabschluss aufbewahrt werden, damit der Inhalt nicht
verdarb oder sich von selbst entzündete.
Seit dem 17. Jahrhundert lassen sich verschiedene Rezepte
für pyrophore Substanzen nachweisen, die im wesentlichen aus
Schwefel und ungelöschtem Kalk gebrannt wurden. Die meisten
dieser Rezepte wirken aus heutiger Perspektive recht seltsam
und erinnern an ihre Herkunft aus alchimistischen Laboratorien.
Es mangelte auch nicht an Vorschlägen, die Erhitzung
ungelöschten Kalkes im Wasser zur Feuererzeugung zu nutzten.
Dabei wurden Baumwolldochte in flüssiges Wachs getaucht und
die noch feuchten Dochte mit einer Mischung aus ungelöschtem
Kalk und Schwefel oder Phosphor bestäubt. Beim Eintauchen der
Spitze in etwas Wasser sollte sich der Docht entzünden.
"Ihren Gebrauch beschränkt indessen der Umstand, daß
der Kalk zu leicht aus der Luft Feuchtigkeit oder Kohlensäure
anzieht, und dann seine Kraft verliert." Daher blieben
sie "mehr eine theoretische
Spielerei und es hat Niemand im gewöhnlichen Leben aus Wasser
Feuer gezogen."
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